Auseinandersetzung mit Sklaverei
UK und die Bedeutung der Sklaverei
Ursprünglich dominierten Portugal und Spanien den Handel mit versklavten Menschen, ab dem 18. Jahrhundert wurde Grossbritannien zu dem Land, das den grössten Anteil am Sklavenhandel hatte. Mehr als 3 Millionen Menschen wurden von britischen Versklavern aus Afrika in die Karibik verschleppt.Die britische Sklavenwirtschaft war ausgesprochen umfangreich. Es ist sicher, dass die gesamte Wirtschaft vom Handel mit versklavten Menschen sowie deren Ausbeutung auf den Plantagen enorm profitiert hat. Es gab zahlreiche Verstrickungen mit verschiedenen Wirtschaftsbereichen. So wurden Kupferbarren, die gegen versklavte Menschen eingetauscht wurden, in Wales hergestellt und die versklavten Menschen auf den Plantagen mussten billige in den UK hergestellte Wollkleidung tragen. Der Handel mit versklavten Menschen förderte nicht nur die Versicherungsbrache sondern trug massiv zur Entwicklung des Finanzwesens bei, das es Grossbritannien ermöglichte sich als wirtschaftliches und imperiales globales Zentrum zu etablieren. «Der Bau der Eisenbahnstrecken, jenes Symbols des industriellen Fortschritt im viktorianischen Zeitalter, wurde zu einem Großteil durch Mittel finanziert, die Sklavenhalter nach Abschaffung der Sklaverei als Entschädigungszahlung erhalten hatten», sagt Ryan Hanley, Geschichtsdozent an der Universität Exeter. Mit der endgültigen Abschaffung der Sklaverei im britischen Empire 1833 ging eine Entschädigungszahlung an die Besitzer versklavten Menschen in den West Indies einher. Der Betrag war so hoch, dass der dafür aufgenommene Kredit erst 2015 vollständig abbezahlt worden ist. Er entsprach 1833 40 % der damaligen jährlichen Gesamtausgaben der Regierung.
Vor allem Zuckerplantagen machten britische Kolonien besonders wertvoll. Und auf britischer Seite entwickelten sich Bristol, Glasgow und Liverpool durch den Handel bis Ende des 18. Jahrhunderts zu bedeutenden Hafenstädten. Schottlands war sehr stark in den Handel mit der Karibik involviert, ausgesprochen stark z.B. auf Jamaica. Dort waren 30 % der Grundstücke in schottischem Besitz. Studien von Dr. Iain MacKinnon from Skye und Dr. Andrew Mackillop zeigen den Zusammenhang von Versklavung sowie den Clearences in den Highlands auf. Zahlreiche Ländereien in den westlichen Highlands und auf den Inseln wurden von Menschen erworben, die über Vermögen im Wert von weit über 100 Millionen Pfund verfügten, die mit der Sklaverei in der Karibik und Nordamerika in Verbindung standen. Viele von ihnen wurden später zu führenden Persönlichkeiten bei den Highland Clearances und vertrieben Tausende von Menschen, deren Familien seit Generationen auf ihrem neu erworbenen Land gelebt hatten. Link
Versklavte Menschen in Grossbritannien im 17. und 18. Jahrhundert
Im Großbritannien des 18. Jahrhunderts lebten tausende Menschen vom afrikanischen, asiatischen und amerikanischen Kontinent. Über die grosse Mehrheit ist wenig bekannt. Einige waren Seeleute und Hafenarbeiter, andere Handwerker, Arbeiter und Wäscherinnen. Die meisten waren jedoch Hausangestellte und Arbeiter in den Haushalten von Elite- und Kaufmannsfamilien, die Zeit in den Kolonien des Britischen Empire verbracht hatten oder Verbindungen zu diesen standen. Simon Newman zeigt auf, dass es in London zur Zeit der Restauration nicht nur versklavte Menschen gab, sondern dass weiße Londoner dieser Zeit eng in den Aufbau des Systems der Rassensklaverei involviert waren – ein Prozess, der traditionell eher in den Kolonien als auf den Britischen Inseln stattgefunden haben soll.
Auseinandersetzung mit der Sklaverei
Seit den Black Lives Matter-Demonstrationen setzen sich in Grossbritannien immer mehr Institutionen mit ihrer Vergangenheit und Verstrickungen mit dem Sklavenhandel auseinander.
Guardians Cotton Capital (2023)
Der Guardian publizierte 2023 eine Serie von Artikeln zum Thema «How slavery changed the Guardian, Britain and the world».
Umfrage zum Thema «Sklaverei» von the repair campaign von 2025:
«Vast majority unaware how many people were enslaved and for how long, although poll finds support for reparations is rising.» «Britons are widely ignorant of the scale and legacy of Britain’s involvement in slavery and colonialism, a survey has found, with the vast majority unaware how many people were enslaved, how long the trade went on for, or for how long UK taxpayers were paying off a government loan to “compensate” enslavers after abolition.» guardian, 25.3.25
Centre for the Study of the Legacies of British Slavery an der UCL
Am UCL gibt es ein Centre for the Study of the Legacies of British Slavery Link Sehr interessant ist die Datenbank, in der man nach Besitzer versklavter Menschen und den Besitz von Plantagen suchen kann sowie sich darüber informieren, wie sich Firmen, in denen Geld von der Kompensation für versklavte Menschen 1833 drinsteckt, entwickelt haben.
Sklaverei und Reparationen
Zu diesem Thema siehe für UK auf dieser Webseite unter UK Sklaverei Reparationen
Film: 1745: An Untold Story of Slavery
Baftanominierter Film: «1745 is a story of survival and through Emma and Rebecca’s escape audiences will experience the conflicting emotions and hardships enslaved people were forced to endure to gain their freedom.» «We do not know what happened to people after they ran away, we can only imagine. I felt this history was an unspoken truth that needed to be shared. These advertisements inspired me to create a short film called 1745, which follows the imagined story of two enslaved sisters, Emma and Rebecca Atkin, who escape into the wilds of eighteenth-century Scotland.» Morayo Akandé
Städte und Projekte an Universitäten
Städte in England
Zu Bristol und der Bedeutung des Handels mit Sklavens auf der Webseite des Museums in Bristol. In the long history of Bristol as a trading port, the transatlantic traffic in enslaved Africans lasted a relatively short time. But it was of crucial economic importance to the city. Link
The slave trade: How slavery shaped some of the UK’s biggest cities. Esther Deans took Newsround on a tour of her hometown Bristol to show us how slavery shaped the city’s landscape. bbc 2023, 4 Min., Link
Webseite BlackBristol
Liverpool
Liverpool and the transatlantic slave trade: Fact Sheet of the National Museums Liverpool Link
The slave trade: How slavery shaped some of the UK’s biggest cities. Levi Tafari took Newsround on a tour of his hometown Liverpool to show us how slavery shaped the city’s landscape. bbc 2023, Link
International Slavery Museum in Liverpool. Die Ausstellung wird 2025 überarbeitet. Link
London
Siehe z.B. auf der Webseite des Royal Museums Greenwich: The transatlantic slave trade in Greenwich. Place, legacy and memory – explore the history of transatlantic slavery in London and Greenwich
Slavery and the history of the collections we care for. Natural History Museum Link Ausführliches Material, z.B. Hidden figures: Forgotten contributions to natural history Link oder Who was Graman Kwasi? Link
Memorial to victims of transatlantic slavery ab 2026 Link
Universitäten in England
Verschiedene Universitäten haben Projekte initiiert, die sich mit der eigenen Vergangenheit und den Verstrickungen mit dem Sklavenhandel auseinandersetzen.
Bristol
2019: University of Bristol appoints new black history professor to explore its relationship with the slave trade: Prof. Dr. Olivette Otele.
Legacies of Slavery report der Universität Bristol
The University of Bristol has decided against retitling its buildings that are named after people with links to the transatlantic slave trade, but has pledged £10m to help address racial inequalities over the next decade. Guardian, 28.11.23
Cambridge
Zum Forschungsprojekt von Nicolas Bell-Romero und dem Backlash von 2023 siehe Guardianartikel: The backlash: how slavery research came under fire von Samira Shackle
Ausstellung 2023 in Cambridge: Black Atlantic Power, People, Resistance. A major new exhibition explores Cambridge’s role in slavery, the people it affected and their resistance to it, through fine art, technology and even everyday objects.
Liverpool
An der Universität Liverpool befindet sich das Centre for the Study of International Slavery. Link
London
Slavery in London Map von The London School of Economics and Political Science, Link
Projekt: Runaways London, that focuses on Black fugitivity and resisting enslavement in London during the 17th and 18th centuries. (Glasgow University)
Städte in Schottland
Edinburgh
2022 wurde der Edinburgh Slavery and Colonialism Legacy Review Report veröffentlicht. Zusätzlich wurden 10 Empfehlungen an die Stadt ausgesprochen. Link
Glasgow
Informationen zu Glasgow und die Verbindung seiner Geschichte mit Sklaverei Link
Siehe auch bei University of Glasgow
Statuen und Gebäude in Glasgow, die eine Verbindung mit dem Sklavenhandel haben, bbc 2022
The slave trade: How slavery shaped some of the UK’s biggest cities. Councillor Graham Campbell took Newsround on a tour of his hometown Glasgow to show us how slavery shaped the city’s landscape. bbc 2023, 5 Min., Link
Universitäten in Schottland
Edinburgh
An der Universität Edinburgh läuft das Projekt: Decolonised Transformations: Confronting the University of Edinburgh’s Legacies of Enslavement and Colonialism. Link
Im Juni 2025 wurde der «Review of Race and History» publiziert. Auf dieser Seite sind verschiedene Texte zugänglich, wie zum Beispiel die Studie von Simon Bucks «Slavery, Colonialism and Philanthropy at the University of Edinburgh». Im Guardian-Artikel (27.7.25) «How the riches of its graduates tied Edinburgh University to slavery» setzt sich mit dieser Studie auseinander.
Glasgow
Report: Slavery, Abolition and the University of Glasgow
«The world’s first master’s degree in reparatory justice has been launched by Glasgow University, in partnership with the University of the West Indies (UWI), as the global campaign for financial reparations for transatlantic slavery gathers momentum.» guardian, 8.10.23
Projekt: Runaway Slaves in Britain: bondage, freedom and race in the eighteenth century. Siehe Teaching-Materials.
