Allgemeine Informationen zur Nok Kultur
Nok Kultur in Nigeria (1500 – 400 v.u.Z.)
Die etwa 1500 Jahre umfassende Nok-Kultur, die nach dem kleinen Dorf Nok nordöstlich der Hauptstadt Abuja benannt ist, beginnt um 1500 vor Christus. Damals lebten die Menschen in einfachen bäuerlichen Gemeinschaften, deren wichtigste Kulturpflanze die Perlhirse war. Es entwickelte sich eine hochentwickelte Gesellschaft aus. Das Gebiet ist in etwa so gross wie Portugal.
Die kunstvollen Terrakottafiguren, für die die Nok-Kultur auch außerhalb der archäologischen Fachwelt bekannt ist, treten 600 Jahre später, nämlich um 900 vor Christus, auf. Viele von ihnen waren schon durch Raubgrabungen ans Licht gekommen, begehrte Objekte auf dem internationalen Kunstmarkt. „Die aus gebranntem Ton hergestellten Plastiken verkörpern die älteste großformatige Figuralkunst im subsaharischen Afrika“, erklärt Peter Breuning, Professor für Archäologie an der Frankfurter Universität.
Wozu dienten diese Terrakotten, die teils Menschen, teils Tiere darstellen? Zu welchem Zweck wurden sie vor 2500 Jahren hergestellt? Das war eine der zentralen Fragen in den vergangenen neun Jahren. Die Forscher vermuteten, dass die Figuren eine Rolle im Bestattungsritus spielten. Und tatsächlich ließen sich im Umkreis der Terrakotten an einigen Fundstellen auch Gräber nachweisen, in Ifana rund 20 Stück. „Heute noch gibt es in Westafrika den Brauch, von verstorbenen Würdenträgern ein Abbild in Ton zu fertigen und es auf das Grab zu stellen. Wenn die Figuren verwittern, werden sie gesammelt beigesetzt“, sagt Prof. Breunig. Möglicherweise war es damals schon genauso.
Viele andere wichtige Erkenntnisse konnten gewonnen werden.: „Wir wissen, wie die Menschen gesiedelt haben, wie ihre Keramik aussah, dass es Wanderhandwerker waren, die die Terrakotten gefertigt haben“, so Breunig. Und aufgrund der engen Zusammenarbeit mit Archäobotanikerin Prof. Katharina Neumann weiß man zudem, was die Menschen gegessen haben und wie sich die Landschaft um sie herum im Lauf der Zeit verändert hat. Um 400 v. Chr. beginnt der Niedergang der Nok-Kultur, bis spätestens zur Zeitenwende verschwinden Terrakotten und Nok-Keramik.
(Text von der Webseite des Forschungsprojektes der Goethe-Universität Frankfurt)
Zähe Kooperation mit einheimischen Akademikern von deutscher Seite her
In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung weist Prof. Dr. Zachary Gundo, Archäologe an der Ahmadu-Bello-Universität in Zaria, darauf hin, wie widerstrebend die Zusammenarbeit von deutscher Seite gewesen sei. «Dass Nigeria dringend internationale Einbindung und akademische Kooperationen brauche, das wisse jeder, sagt er. Umso unverständlicher sei, dass die Frankfurter Forscher die im Nok-Gebiet ansässigen Universitäten Zaria und Jos ursprünglich ignoriert hätten. Zur Zusammenarbeit «mussten sie geradezu gezwungen werden», sagt Gundu. Erst 2012 konnten sich einheimische Studenten im deutschen Projekt einbringen. Professoren seien allerdings in «keinerlei bedeutende Arbeiten» involviert worden.
Gundu steht mit seiner Kritik nicht allein. 2012 unterzeichneten 48 nigerianische Archäologen von fünf Universitäten ein Dokument, in dem sie unter anderem kritisierten, «wie das deutsche Team die institutionelle Schwäche» der zuständigen NCMM ausgenutzt habe, um «nigerianische Archäologen vom Wissensaustausch und der Teilnahme am Projekt abzuhalten». Die Rede ist von «unethischen Praktiken des deutschen Teams», «der Manipulation lokaler Gemeinschaften», der Unterstützung von Maßnahmen, «die zum illegalen Ausgraben archäologischer Stätten geführt» hätten und von «unbeaufsichtigtem Export» von Nok-Terrakotten. Gundu sagt: Eigentlich müssten sich gerade Intellektuelle und internationale Organisationen gegen die Übermacht des Kunstgeschäfts stemmen, gegen diese «postkoloniale Ungerechtigkeit», die sein Land erfahre. «Aber Afrika wird oft als Labor missbraucht, in das europäische Wissenschaftler einfach hineinkommen, experimentieren und Daten sammeln, mit denen sie ihre Vorstellungen vom Kontinent verifizieren», sagt Gundu. Diese Art Wissenschaftler gelten dann in Europa als die großen Afrika-Kenner. Leute wie Breunig, sagt Gundu. «Der gilt jetzt weltweit als der Nok-Experte.»» Link
Dokfilm auf Arte: Geheimnisvolle Kunstschätze Nigerias. Die Nok-Terrakotten, 2025
Im Film wird die Entwicklung des Grabungsprojekts der Goethe-Universität Frankfurt a.M. nachgezeichnet und die wichtigsten Ergebnisse interessant vermittelt. Leider zeigen sich auch hier z.T. Probleme in der Darstellung und eine sehr starke Fokussierung auf die englischen und deutschen Forschenden. Die oben genannte Problematik wird nicht angesprochen. Link
Raubgrabungen, Raubkunst und Fälschungen
Raubgrabungen und Verkauf nach Europa, USA und Asien
Das Graben nach historischen Artefakten ist in Zentralnigeria ein illegales, aber profitables Geschäft. So haben sich etliche Bauern und Minenarbeiter auf die einträgliche Suche nach den sogenannten «Nok-Terrakotten» verlegt. Dies wegen fehlender Alternativen Geld zu verdienen. Die Nok-Terrakotten werden auf dem Antiquitätenmarkt in Europa, den USA und z.T. in Asien für hohe Summen verkauft. Ganze Landstriche sind von Grabungslöchern übersät.
In den vergangenen Jahren gelangen dem Ausgrabungs-Team nicht nur sensationelle Funde, sondern es bekam auch ein tieferes Verständnis dafür, wie und warum die Terrakotta-Figuren zerschlagen und anschließend fragmentiert in Gruben deponiert wurden. Dieses Ritual war Bestandteil einer Beisetzung, die in unmittelbarer Nähe stattfand. Dass alle ausgegrabenen Terrakotta-Figuren ohne Ausnahme zerbrochen waren, wird bei Sammlern, Museen und Antiquitäten-Händlern Entsetzen ausgelöst haben, denn möglicherweise stammen die komplett erhaltenen Nok-Terrakotta-Figuren in ihrem Besitz aus Fälscherwerkstätten.
Raubkunst Verscherbelt. Lutz Mükke und Vanessa Offiong,
Ein sehr interessanter Artikel über ein Millionengeschäft mit illegal aus Nigeria ausgeführten Nok-Figuren. Link
Ganze Terracotta-Figuren aus Raubgrabungen und zerbrochene Figuren bei Bestattungsplätzen

m Zentrum eine Terrakotta-Deponierung, die von weiteren Deponierungen und von als Gräber interpretierten Steinsetzungen mit ganzen Gefäßen umgeben ist (Ifana 3). (Foto: Breunig)

Nok Skulptur aus dem Louvre
