Präkoloniale Haitianische Geschichte im Unterricht
Unterrichtsmaterial auf der Lernplattform Globales Lernen von PEN PAPER PEACE e.V.!
Auf der Lernplattform Globales Lernen von PEN PAPER PEACE e.V.! wird eine digitale Reise in die Geschichte Haitis angeboten (Sek I). Ein Modul setzt sich mit der präkolonialen Geschichte Haitis auseinander (Schüler:innen- und Lehrpersonenmaterialien). Dabei geht es darum, mehr über
die indigene Bevölkerung der Taino und ihre Lebensweise vor und nach der Kolonialisierung zu erfahren. Dabei wird auch auf alternative Wissensressourcen, z.B. aus der Archäologie verwiesen. Was eigentlich ein sehr guter Ansatz ist. Allerdings werden verschiedene Versprechen nicht eingelöst. Link
Eine sehr interessante Analyse und Kritik zu diesem Modul von Philipp Bernhard in «Geschichtsvermittlung postkolonial», S. 334 – 343. Link
Haitianische Revolution
Warum gehört die haitianische Revolution in den Unterricht?
«Die Französische Revolution von 1798 und die Amerikanische Revolution von 1776 gelten gemeinhin als die Gründungsereignisse der modernen Welt. Diese welthistorische Wertung verdanken sie ihrem Ruf als demokratische Revolutionen, die ein neues Verständnis von Gleichheit etabliert und ältere Formen von sozialer und politischer Hierarchie überwunden hatten. Dieser Ruf hat sich etabliert ungeachtet der Tatsachen, dass das Wahlrecht den reichen weissen Männern vorbehalten war, und dass beide Gesellschaften auf der kolonialen Vertreibung von einheimischen Bevölkerungen gründeten sowie auf der Versklavung dieser Bevölkerungen und von deportierten AfrikanerInnen. Demgegenüber verdient die Haitianische Revolution nicht nur einen Platz an der Seite der Französischen und der Amerikanischen Revolution; sie übersteigt vielmehr diese Begrenzungen bei weitem. Grundlagen des revolutionären Haiti waren die Freiheit für die gesamte Bevölkerung und der politische Kampf gegen Kolonisierung und Sklaverei.» Gurminder K. Bhrama, 2019, Link
Die Revolutionärinnen gehören in den Unterricht!
Auf der Webseite zur Online-Ausstellung zu Revolutionärinnen in der haitianischen Revolution von 2025 steht: «Die geschriebene Geschichte präsentiert uns männliche Figuren, die die haitianische Revolution energisch anführen, die Truppen in die Schlacht führen und ihr Land befreien. Wir bewahren Porträts dieser wichtigen Persönlichkeiten wie Toussaint Louverture und Jean-Jacques Dessalines auf, aber wo sind die Frauen in dieser historischen Erzählung? Wie waren sie an der Befreiung Haitis beteiligt? Die Handlungen der Frauen sind weit entfernt von den schriftlichen Erzählungen, die uns überliefert sind. Die Geschichte schreibt den Männern den Verdienst der Revolution zu, dennoch ist das Eingreifen der Frauen offensichtlich. Mündliche Überlieferungen und einige Darstellungen aus der Zeit belegen diesen Platz, der zu wenig dokumentiert ist. Trotz der durch die Entscheidungen der Vergangenheit begrenzten Ressourcen kann durch das Studium der Archive und deren Kontextualisierung die Rolle, die Frauen in der Revolution spielten, bestätigt werden. Die Spuren, die diese Frauen im haitianischen Gedächtnis und in unseren Archiven hinterlassen haben, ermöglichen heute die Hervorhebung von acht von ihnen und ihrer Rolle bei der Befreiung Haitis.» Übersetzt mit Deepl
Material für den Unterricht
Unterrichtsmaterial auf der Lernplattform Globales Lernen von PEN PAPER PEACE e.V.!
Modul haitianische Revolution. Das Modul ist informativ und abwechslunsreich aufbereitet. Allerdings ist der Umgang mit zeitgenössischen Bildern z.T. problematisch. Rassistische Abbildungen werden nicht erläutert und z.T. einfach als Illustration benutzt. Es gibt Bilder aus anderen geografischen Kontexten, die verwendet werden. Weiter ist die Verwendung von Kategorien und Begriffen, wie dem «I-Wort» problematisch. Link
Revolutionärinnen
Informationen zur wichtigen Rolle von Frauen in der haitianischen Revolution kann der folgenden Webseite und dem folgenden Artikel entnommen werden.
– «Résistantes invisibles – Le rôle des femmes dans la révolution haïtienne». Eine virtuelle Ausstellung zur Rolle der Frauen in der haitianischen Revolution. In Portraits werden verschiedene Revolutionärinnen vorgestellt und es wird der Frage nachgegangen, warum so lange die weiblichen Revolutionärinnen aus der Geschichtsschreibung verschwunden sind. Bohio Ayiti, März 2025. Link
– Women in the Haitian Revolution. Library of Congress. Link
– Rebelles with a Cause: Women in the Haitian War of Independence, 1802–04, Philippe Girard. 2009. Link
Hintergrundinformationen:
Gliech, Oliver. Haiti – Die «erste schwarze Republik» und ihr koloniales Erbe. bpb
Bhambra, Gurminder. Kolonialismus, Demokratie und die Haitianische Revolution. Ruth Daellenbach, Beat Ringger, Pascal Zwicky (Hrsg.) Reclaim Democracy. 2020. S. 42 – 47. Link
Haiti muss Frankreich Reparationen bezahlen
Zwei Jahrzehnte nachdem Haiti seine Unabhängigkeit von Frankreich erlangt hatte, kehrte ein Kriegsschiffgeschwader mit einem Ultimatum von König Karl X. zurück. Es hiess Krieg oder Geld. Frankreich forderte 150 Millionen Francs.
Dies war eine so hohe und lang anhaltende Schuldenlast, dass sie Haitis Weg in Armut und Unterentwicklung mit zementierte.
Haiti wurde das erste und einzige Land, in dem die Nachkommen versklavter Menschen über Generationen hinweg den Familien ihrer ehemaligen Herren Zahlungen leisteten. Das Land bezahlte Frankreich bis 1947.
Um die ersten Zahlungen zu finanzieren, musste Haiti ein Darlehen aufnehmen, das war auch Frankreichs Plan. Denn damit hat sich Haiti immer stärker verschuldet und die Zinszahlungen waren ihre zweite Schuld. Haiti zahlte über mehrere Dekaden 112 Millionen Francs. Das entspricht in etwa 560 Dollar heute.
Wenn dieses Geld in Haiti geblieben wäre, statt nach Frankreich abgeführt zu werden, hätte es Haitis Wirtschaft in den letzten zwei Jahrhunderten um 21 Milliarden Dollar vergrößert. Dies entspricht konservativen Schätzungen von Fachleuten.
Für zusätzliche Informationen siehe «Haiti ‘Ransom’ Project» von der New York Times.
Historischer Hintergrund
1803 fand auf Haiti die Schlacht von Vertières statt. Der Schlacht kommt sehr grosse Bedeutung zu, da die haitianischen Truppen die Truppen Napoleons besiegten und somit die Unabhängigkeit möglich wurde.
Darstellung auf dem Trikot der haitianischen Fussballmannschaft
An der rechten Hüfte des Trikots sind Silhouetten zu sehen, die von der Schlacht von Vertières und der haitianischen Revolution inspiriert waren. Im Jahr 1803 riss der Revolutionsführer Jean-Jacques Dessalines, der später der erste Kaiser des Landes wurde, den weißen Streifen von einer französischen Flagge ab, um eine neue Flagge für „die weltweit erste freie schwarze Republik“ zu schaffen. Dieser Moment wird im ganzen Land jedes Jahr am 18. Mai als haitianischer Flaggen-Tag gefeiert.
Statement der Produktionsfirma Saeta
“Working in close collaboration with the Haitian Football Federation, our objective throughout the process was to create a jersey that celebrated the pride, resilience and spirit of the Haitian people,” Saeta said in a statement. “Several concepts were developed and refined over a number of months and submitted through Fifa’s standard approval process. The final design presented by Saeta was intended as a tribute to the men and women who contribute every day to Haiti’s future and was not intended as a political statement.» Link
Die Fifa verbietet dieses Trikot
Das erste Mal seit 1974 hat sich die haitianische Mannschaft für die WM qualifiziert. Vier Tage vor dem ersten Spiel der Mannschaft beanstandet die Fifa plötzlich die Abbildung. Es handle sich um eine „Kriegsszene“. Diese habe bei einer friedlichen Fußball-WM nichts zu suchen. Dieses Verbot erfolgte erst nachdem bereits zwei Vorbereitungsspiele in Florida stattgefunden hatten. Bereits zum zweiten Mal dieses Jahr musste Haiti Sportkleidung ändern. Bei den olympischen Winterspielen musst z.B. eine Darstellung von Toussaint Louverture entfernt werden. Die Sportkleidung ist hier zu sehen. Das Originalbild von Eduard Duval-Carrie (2006) ist hier zu sehen.
Die WM ändert das Bild der Haitianer in den USA
Die abfälligen Äusserung des Präsidenten über Haitianer:innen in den USA während des Wahlkampfs sind noch präsent. Sie widerspiegelt sich auch darin, dass dem einzigen haitianischen Spieler der Nationalmannschaft, der aus Haiti kommt, Woodensky Olivier Pierre zunächst das Einreisevisum in die USA verweigert wurde. Erst verspätet, Anfang Juni, konnte er zum bereits in den USA trainierenden Team stoßen.
Journalist Wilkline Brutus weist darauf hin, dass Haitianer überall dank der WM-Teilnahme eine Renaissance erlebten. Es finde „eine Art Humanisierung und Sichtbarkeit statt, wie sie ihnen lange nicht zuteilwurde“.
All-Star-Team in der Diaspora von Katja Maurer, taz 19.6.2026
