Erinnerungskultur: Regierungspolicy und Kritik daran
Dekret „Wahrheit und Vernunft in die amerikanische Geschichte zurückbringen“ vom 27. März 2026
Am 27.3.26 wurde vom amerikanischen Präsidenten das Dekret „Wahrheit und Vernunft in die amerikanische Geschichte zurückbringen“ erlassen.
Er will die Deutung der Geschichte der USA verändern. Zentral greift das Dekret Museen – insbesondere die Smithsonian Institution – an und bezeichnet bestimmte Ausstellungen zu Rassismus und Machtverhältnissen als „spalterisch“, „divisive narratives“ oder „unangemessene Ideologie“, die entfernt oder umgestaltet werden sollen. Damit ist gemeint, dass sie zu «sexistisch» und «rassistisch» seien. In diesem Zusammenhang wird ein Museum der Smithsonian Institution dafür kritisiert, dass in einer Ausstellung „die Ansicht, dass Rasse keine biologische Realität, sondern ein gesellschaftliches Konstrukt sei“ vertreten würde.
Trump hat seinen Vizepräsidenten J.D. Vance damit beauftragt, insbesondere in Museen auf Darstellungen im Sinne der neuen Regierung hinzuwirken. In den vergangenen zehn Jahren habe es nach Trumps Darstellung „konzertierte und weit verbreitete Versuche“ gegeben, die Geschichte des Landes umzuschreiben und Fakten durch ein von Ideologie statt von Wahrheit geprägtes Zerrbild zu ersetzen.
Trump zielt damit vor allem auf die Smithsonian Institution, einen Verbund von 21 Museen und 14 Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Es ist der nach eigener Darstellung größte Museumskomplex der Welt. Das Dekret führt als konkretes Beispiel die Smithsonian-Ausstellung „The Shape of Power: Stories of Race and American Sculpture“ im American Art Museum an. Dort wird die Ansicht vertreten, die USA hätten das Konzept der „Rasse“ instrumentalisiert, um Machtstrukturen, Privilegien und Diskriminierung einzuführen und zu sichern.
«1776 Commission»
Im Zusammenhang mit dem Dekret ist auch die «1776 Commission» und ihr Bericht Teil der Diskussion. Die Kommission wurde 2020 von D. Trump eingesetzt um patriotische Erziehung zu fördern. Einer der 18 Mitglieder der Kommission war z.B. Charlie Kirk. Der Bericht der Kommission, der zwei Tage vor dem Ende von Trumps Amtszeit 2021 veröffentlicht wurde, wurde von zahlreichen Historiker:innen stark kritisiert.
Die Kommission wurde vom nachfolgenden Präsidenten Joe Biden am 20. Januar 2021, seinem ersten Amtstag, aufgelöst. Sie wurde im Januar 2025 von Trump wieder eingesetzt. Das Bildungsministerium wird der Kommission finanzielle Mittel und administrative Unterstützung bereitstellen, die Bundesbehörden zu Staatsbürgerkunde-Unterricht an nationalen Gedenkstätten und zum bevorstehenden 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung beraten wird.
Dekret „Beendigung der radikalen Indoktrination in der K-12-Schulbildung“
Im Dekret werden Schulen zu „patriotischer Erziehung“ verpflichtet. Es verbietet die Vermittlung von «anti-amerikanische» oder «subversive» Inhalten. Genannt werden die Critical Race Theory und die „Gender-Ideologie“. Bei Nichteinhalten dieser Vorgaben, werden den Schulen Bundesmittel entzogen. Wiedereingesetzte «1776 Commisssion» wird damit beauftragt, ein entsprechendes Bildungsprogramm zu entwerfen.
America 250 Civics Education Coalition
Das US-Bildungsministerium hat am 17.9.26 eine Kooperation mit über 40 konservativen Gruppen, z.B. der «1776 Commission» verkündet, um Inhalte zur Staatsbürgerkunde zu gestalten, die das 250-jährige Jubiläum der USA gebührend feiern sollen. Das Ziel ist: to renew «patriotism, strengthening civic knowledge, and advancing a shared understanding of America’s founding principles in schools across the nation.»
Kritik am Bericht der «1776 Commission» und am Dekret vom 27. März 2026
Experten kritisieren, dass der Bericht Geschichte als Waffe im „Kulturkampf“ einsetzt. Er vereinfache vielschichtige historische Vorgänge zu bloßer „Heldenverehrung“ und übergehe Forschungsergebnisse der vergangenen 70 Jahre.
Kritiker warnen, dass das Dekret durch die Verknüpfung von Bundesförderungen mit „patriotischen“ Inhalten unliebsame Forschung sanktioniert und Schulen zu einer vom Staat abgesegneten Geschichtsdarstellung zwingt.
David W. Blight, Sterling Professor of History, of African American Studies, and of American Studies and Director of the Gilder Lehrman Center for the Study of Slavery, Resistance, and Abolition at Yale University: «On March 27, President Donald Trump, echoing the Heritage Foundation’s Project 2025, issued an executive order, “Restoring Truth and Sanity to American History.” The White House now believes it should pronounce on the nature of history and the purpose and substance of the nation’s treasures at the Smithsonian Institution. The order is nothing less than a declaration of political war on the historians’ profession, our training and integrity, as well as on the freedom and curiosity of anyone who reads or visits museums. In other words, Trump’s team has declared war on free minds and free education in order to erase more than a half-century of scholarship and replace it with official triumphal narratives rooted in a brand of pickled patriotism designed to force the past to serve the present.» Link
Statement der American Historical Association
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American Anthropological Assosiation
«The Trump White House’s recently issued Executive Order “Restoring Truth and Sanity to American History” and tendentious adventures in the realms of culture and science show how ignorant he is about race. To put it kindly, he is way out of his depth.
Among all his blunders and gaffes, however, one stands out in particular: his blithe assertion that race is a matter of biology, not of “social construction.” Discussing a work of sculpture at the Smithsonian, Trump’s Executive Order criticizes the exhibit for stating that “Race is a human invention.” Indeed, the Executive Order characterizes both race and gender as largely matters of biology and human nature, and thus fixed and “objective,” not social or political matters. As scholars who have devoted decades of research to the social construction of race, we object to Trump’s shallow and backward understanding.» 15.5.26
American Association of Biological Anthropologists Statement on Race and Racism
«Race does not provide an accurate representation of human biological variation. It was never accurate in the past, and it remains inaccurate when referencing contemporary human populations. Humans are not divided biologically into distinct continental types or racial genetic clusters. Instead, the Western concept of race must be understood as a classification system that emerged from, and in support of, European colonialism, oppression, and discrimination. It thus does not have its roots in biological reality, but in policies of discrimination. Because of that, over the last five centuries, race has become a social reality that structures societies and how we experience the world. In this regard, race is real, as is racism, and both have real biological consequences.» Link
Ziele des Dekrets
Sebastian Moll schreibt in der Taz: «Trump nutzt die ihm zur Verfügung stehenden Machtinstrumente dazu, den amerikanischen Kulturkrieg, der mindestens seit den 60er Jahren tobt, ein für alle Mal, wie er hofft, für sich und die ihn unterstützenden reaktionären Kräfte des Landes zu entscheiden. … Trump möchte zum Jubiläum einen intakten nationalen Mythos präsentieren, den Mythos von Amerika als makelloser Erfolgsgeschichte. Der Soziologe Robert Bellah hat diesen Mythos in den 70er Jahren als „Zivilreligion“ beschrieben. Amerika war für ihn strukturell eine Glaubensfrage. … Vor diesem Hintergrund wird klar, was MAGA – „Make America Great Again“ – eigentlich meint. Es ist nicht etwa die Rückkehr zu einem Amerika, das es nie gab, sondern zu einem nationalen Mythos, der unkompliziert und unbelastet von Unterdrückung und Gewalt ist. Und diesen Mythos möchte Trump zum 250. Jubiläum mit seinem Kampf gegen „Wokeness“ und Inklusion wieder in Kraft sehen.»
Charlotte Walser im Tages-Anzeiger: «Es ist der Versuch, die amerikanische Geschichte umzuschreiben. Wegen des Dekrets wurden an mehreren Orten Teile von Ausstellungen entfernt.»
Entfernung von Informationen in Ausstellungen und Gedenkstätten
Beispiel: Philadelphia 2026 – Thema Versklavung
In Philadelphia, nur wenige Schritte von der Liberty Bell entfernt, steht das «Haus des Präsidenten». Es besteht aus teilweise rekonstruierten roten Ziegelmauern, einem leeren Türrahmen und Fenstern sowie, in eine freistehende Steinplatte gemeißelt, den Namen von neun versklavten Menschen, die dort George Washington dienten. 2006 einigten sich nach langjährigem Engagement von Historikern und lokalen Aktivisten der National Park Service und die Stadt darauf, das President’s House als Gedenkstätte für Sklaverei und Freiheit einzurichten – mit besonderem Fokus auf die versklavten Menschen in George Washingtons Haushalt (Trump äusserte in einer Rede von 2024, dass Washington wahrscheinlich keine Sklaven bessen habe.)
Am 22. Januar 2026 kamen Arbeiter des Nation Park Service unaangekündigt mit Brechstangen und rissen alle 30 Interpretationsschilder von den Wänden. Der National Park Service, dessen Leitung die Entfernung angeordnet hat, erklärt, sie hätten lediglich Präsident Trumps Executive Order vom vergangenen März umgesetzt, das die Entfernung oder Überarbeitung von Ausstellungen fordert, die „amerikanische Persönlichkeiten, verstorbene oder lebende, unangemessen herabsetzen“. Kurz darauf reichte die Stadt Klage vor einem Bundesgericht ein, um dies anzufechten, mit der Begründung, dass der National Park Service eine Vereinbarung von 2006 verletzt habe, die den Standort schuf.
But those who have rallied in defense of the site and the scholarship behind it see a brazen erasure of history. Michael Coard, a criminal justice lawyer and leader of the Avenging the Ancestors Coalition, a group formed in 2002 to advocate for the site, called the removal an act of “blatant racist desecration.” “If you want to make the argument that George Washington was a great general, that he was a great president, go ahead and make it,” Coard said. “But can you be a great human being when you hold 317 people in brutal bondage?” “That any president would want to stop that information from being out there,” he said, “is outrageous.” NYT, 5.2.26
Einstweilige Verfügung von Bundesrichterin Rufe, 16.2.26
«Nun hat Bundesrichterin Cynthia M. Rufe eine einstweilige Verfügung erlassen. In einer 40-seitigen Stellungnahme hält die Richterin fest, die Regierung sei nicht befugt, historische Wahrheiten zu verschleiern und zu verfälschen. Rufe scheint kaum glauben zu können, dass sie sich damit befassen musste. Ihrer Stellungnahme stellte sie ein Zitat aus George Orwells dystopischem Roman «1984» voran, auf den sie mehrmals Bezug nimmt.» Tages-Anzeiger, 17.2.26
Denkmäler: Gedenken an die Opfer der Versklavung
Memorial to Enslaved Laborers der Universität of Virginia in Charlottesville
In den Jahren 2007 bis 2010 begann entstand die Initiative, die 2020 zur Errichtung dieses Denkmals, das an die versklavten Menschen, die im 19. Jahrhundert die Universität bauten, erinnert. Weitere Informationen dazu unter Link

Memorial to Enslaved Laborers, Photo by Sanjay Suchak, University Communications
Allgemein Denkmäler zum Gedenken an die versklavten Menschen in den USA
Es gibt inzwischen einige Denkmäler in den USA, die an die versklavten Menschen erinnern. Eine Auswahl solcher Momumente findet man auf der folgenden Webseite slaverymonuments.org
Ein weiteres eindrückliches Denkmal ist das Texas African American History Memorial in Austin, Texas. Im zentralen Bereich wird der Juneteenth in Texas thematisiert, der Tag an dem 1865 die Sklaverei abgeschafft worden ist.

Texas African American History Memorial, wikimedia commons
Umgang mit Human Remains
Penn Museum: Human Remains
Die Samuel G. Morton Cranial Collection wird seit 1966 im Penn Museum gelagert. Die Sammlung umfasst etwa 1.300 weltweit gesammelte Schädel und bildete die Grundlage für Mortons einflussreiche Theorien über Intelligenzunterschiede zwischen Rassen, die die heute diskreditierte „Rassenwissenschaft“ prägten und zur Eugenik des 20. Jahrhunderts beitrugen. Die jüngsten Human Remains stammen von Kinder, die 1985 bei dem berüchtigten polizeibefohlenen Brandanschlag ums Leben kamen. In jüngerer Zeit wurde ein Teil der Sammlung prominent in einem Museumsklassenzimmer ausgestellt. Erst 2020 wurden diese Human Remains aufgrund eines studentischen Protest ins Depot verlagert. Paul Wolff Mitchell verfasste einen Bericht, in dem er feststellte, dass die Morton-Sammlung die Schädel von mindestens 14 Schwarzen Philadelphianern enthält, von denen einige höchstwahrscheinlich in Sklaverei geboren wurden. Im Zusammenhang mit der geplanten Beisetzung der Human Remains von ehemals versklavten Schwarzen Menschen kam es in Bezug auf die Vorgehensweise zu Auseinandersetzungen. Dies steht dafür, dass zahlreiche Fragen noch offen sind und sorgfälltig geklärt werden müssen.
Für weitere Informationen: Amid a Fraught Process, a Philadelphia Museum Entombs Remains of 19 Black People. Campelle Robertson, nyt, 3.2.24
Penn Museum Human Remains Policy Link
Smithonian: Human Remains
Das American Museum of Natural History verfügt in seinen Beständen über die unglaubliche Zahl von 12.000 menschlichen Überresten. Die Sammlung umfasst etwa 1.300 weltweit gesammelte Schädel und bildete die Grundlage für Mortons einflussreiche Theorien über Intelligenzunterschiede zwischen Rassen, die die heute diskreditierte „Rassenwissenschaft“ prägten und zur Eugenik des 20. Jahrhunderts beitrugen.
In der Sammlung des New Yorker Museums befinden sich die Überreste von 2.200 Ureinwohnern Amerikas, die gemäß einem vor über 30 Jahren erlassenen Bundesgesetz an Nachkommen zurückgegeben werden sollen. Das Museum hat die Überreste von 1.000 Personen im Rahmen dieses Gesetzes repatriiert, stößt jedoch wegen des langsamen Tempos bei der Erforschung der Stammesangehörigkeit anderer Reste auf Kritik.
Weiter enthält die Sammlung auch Human Remains von versklavten Schwarzen Manschen sowie 400 verarmten New Yorker:innen, deren Körper an medizinische Institutionen weitergegeben worden sind.
Weitere Informationen siehe z.B. Facing Scrutiny, a Museum That Holds 12,000 Human Remains Changes Course. Zachery Small, 15.10.24, nyt
Zur Vorgehensweise auf der Webseite des Smithonian: Reckoning with Human Remains in the Smithsonian Collection Link
Denkmäler: Konföderiertenstatuen
Statue des Südstaatengenerals Robert E. Lee in Charlottesville
Die Statue von Robert E. Lee stand im Fokus des tödlichen Aufmarsches von Neonazis 2017 in Charlottesville. Über den Süden der USA verteilt gibt es zahlreiche weitere Statuen des Generals sowie allein 70 Schulen, de nach ihm benannt sind.
1. Ebene: Bürgerkrieg USA (1860er-Jahre)
2. Ebene: Enstehung der Statue (1917 – 24)
Die Statue wurde 1917 in Auftrag gegeben und 1924 aufgestellt. Die Entstehung dieses Denkmals fällt in die Zeit, in der die grosse Mehrheit der Denkmäler der Konföderierten entstanden ist. Sie fällt in die Zeit der zunehmenden Rassentrennung und dem Höhepunkt der Lynchmorde in den USA. (Statistik siehe Link)
3. Ebene: Der Weg zur Entfernung der Statue (ab 2015)
Seit 2015 gibt es eine intensive Debatte darüber, wofür die Konföderierten wirklich stehen und wie mit der Geschichte der Sklaverei in der USA umgegangen werden soll. Aus Sicht der konservativ-südlichen Interpretation für den Kampf um Unabhängigkeit oder für einen Kampf für die Erhaltung der Sklaverei. Ausgelöst wurde diese Debatte durch die Ermordnung von neun Schwarzen Menschen in einer Babtistenkirche durch einen weissen Rassisten. Im Zuge dieses Verbrechens wurden bis 2017 ca. 60 vom Staat finanzierten Symbole der Konföderierten demontiert oder umbenannt.
Diese Debatte wurde auch in Charlottesville geführt. 2016 ergriff die Schülerin Zyahna Bryant die Initiative und lancierte (eine Klassenarbeit) eine Petition, mit der sie die Entfernung der Statue des Südstaaten-Generals verlangte.
Die grosse Unterstützung dafür zeigt sich darin, dass der Stadtrat bereits im Februar 2017 mit knapper Mehrheit im Februar 2017 für die Entfernung der Statue von Robert E. Lee stimmte. Im Mai wurde eine Klage gegen die Entfernung der Statue eingereicht und im Mai 2017 kam es zu einem ersten Aufmarsch von Rechtsextremen mit Fackeln um die Statue herum. Die Anlehnung an einen Aufmarsch des Ku Klux Klans dürfte nicht zufällig gewesen sein und wurde hart verurteilt (siehe auch die Entstehungszeit der Statue). Wenige Wochen später kam es zu einem grösseren Aufmarsch von rechtsextremen Gruppen in Charlottesville. Gleichzeitig fand am 12. August eine Gegendemonstration statt. Einer der Rechtsextremen fuhr in eine Gruppe Gegendemonstrierende und tötete ein Frau und verletzte 19 weitere Menschen z.T. schwer. Die Aussage des damaligen Präsidenten D. Trump, dass es auf beiden Seiten «fine people» gegeben habe, sorgte weltweit für Entsetzen und löste eine grosse innenpolitische Kontroverse aus.
2019 fiel das Urteil des zuständigen Richters dahingehend aus, dass die Statuen als «war memorials» geschützt seinen und nicht entfernt werden dürfte. Dieses Urteil wurde vom Supreme Court (Virginia) aufgehoben und die Entfernung der Statuen als rechtmässig erklärt. 2021, mehr als vier Jahre nach dem ursprünglichen Beschluss ist es dann soweit, die Statue von General Lee sowie eine weitere von Südstaatengeneral Jackson werden abgebaut. Im Dezember 2021 spricht sich der Stadtrat von Charlottesville dafür aus, dass die Statue an das lokale «African American heritage centre» gehen solle, wo aus dem Material ein neues Kunstwerk für den öffentlichen Raum entstehen soll.
Wiedererrichtung der Standbilder und Denkmäler der Konföderierten 2025
Kommentar von Irvin Weathersby Jr. zu dieser Vorgehensweise
Die Süddeutsche hat im Juni Irvin Weathersby Jr., Professor für kreatives Schreiben am City College of New York und am Queensborough Community College, zu diesem Vorgehen interviewt. Weathersby Jr. ist der Verfasser des Buches „In open contempt – confronting white supremacy in art and public space“ in dem er sich mit der Geschichte des Rassismus in der amerikanischen Kunst- und Kulturgeschichte auseinandersetzt.
«SZ: Was halten Sie von Donald Trumps jüngster Aktion, Kasernen nach Generälen und Offizieren der Konföderierten zu benennen?
Irvin Weathersby Jr.: Diese Umbenennungskampagne zeigt, wie aufgeheizt die Stimmung ist und wie besessen Trump davon ist, sich an seinen vermeintlichen Feinden zu rächen. Das Problem bei diesem Ansatz ist, dass er die Öffentlichkeit in den Diensten seiner persönlichen Ressentiments gefährdet. Immer wieder beweist er uns, dass er ein unverbesserlicher Nichtkenner der Geschichte ist, was offen gesagt peinlich ist. Selbst die verklemmte Idee, unbedeutende Militärpersönlichkeiten, die denselben Namen wie Konföderierte tragen, als Namensgeber heranzuziehen, um das Erbe der weißen Vorherrschaft wiederzubeleben, ist beschämend und kindisch. Sie steht auch im Widerspruch zu seiner Begründung für eine 45 Millionen Dollar teure Militärparade an seinem Geburtstag, mit der angeblich das 250-jährige Bestehen der US-Armee gefeiert werden soll. Wenn wir an den Mut und die Siege des Militärs erinnern wollen, warum sollten wir dann auch Konföderierte feiern, die gegen unser Land gekämpft haben und die, um es mit seinen Worten zu sagen, „Verlierer“ sind? Nichts davon ergibt Sinn und zeigt einmal mehr: Wir haben einen irre rücksichtslosen Narzissten gewählt.» Link
Im Widerspruch dazu steht nun auf der Webseite des Weissen Hauses:
«The Secretary of the Interior shall:
(i) determine whether, since January 1, 2020, public monuments, memorials, statues, markers, or similar properties within the Department of the Interior’s jurisdiction have been removed or changed to perpetuate a false reconstruction of American history, inappropriately minimize the value of certain historical events or figures, or include any other improper partisan ideology;» Link
Die ursprünglichen Standbilder und Denkmäler zu den «Helden der Konföderierten» wurden in ihrer grossen Mehrheit lange nach dem Ende der Sklaverei und in der Zeit der Rassentrennung errichtet, 1890 – 1940. u.a. der Hochzeit des Ku Klux Klans. So wurden die meisten von den «United Daughters of the Confederacy» gebaut. Die Statuen sollten ihre gefallenen Vorfahren zu ehren und die Schwarze Bevölkerung zur Unterwerfung zwingen.
Ausstellung «Monuments» LA, Oktober 2025
Eine Auswahl historischen Denkmäler der «weißen Vorherrschaft» – einige in makellosem Zustand, andere mit Farbe bespritzt oder umgestürzt, eines zu einem Haufen von Bronzestangen reduziert – ist in Los Angeles zu sehen. Die umfassende Ausstellung, die am 23. Oktober eröffnet, kombiniert die jahrhundertealten Statuen mit zeitgenössischen Kunstwerken, von denen viele von Schwarzen Künstler:innen stammen.
«Co-organized and co-presented by MOCA and The Brick, MONUMENTS marks the recent wave of monument removals as a historic moment. The exhibition reflects on the histories and legacies of post-Civil War America as they continue to resonate today, bringing together a selection of decommissioned monuments, many of which are Confederate, with contemporary artworks borrowed and newly created for the occasion. Removed from their original outdoor public context, the monuments in the exhibition will be shown in their varying states of transformation, from unmarred to heavily vandalized.» Link
Kara Walker Deconstructs a Statue, and a Myth. Siddhartha Mitter. NYT, 8.9.25
Breathtaking, unsettling, healing: how US artist Kara Walker transformed a Confederate monument. Lois Beckett, guardian, 18.10.25
Kara Walker sagte, ihr Titel für die neu geschaffene Skulptur Unmanned Drone spiele unter anderem mit der Vorstellung von „der Skulptur in ihrer ursprünglichen Form als Waffe der Jim-Crow-Ära“.
«Like many Confederate monuments, Charlottesville’s stately Beaux Arts sculptures of Jackson and Lee were not actually products of the post-civil war mourning, but were erected a half century later, at the height of Jim Crow segregation in the south, when Black citizens were blocked from voting or serving in government, and romanticized images of Confederate leaders were created as enduring symbols of white political power.
The land where Jackson’s statue was erected in 1921 had once been a majority Black and mixed-race neighborhood that the city razed, replacing it with a whites-only park.» guardian

Unmanned Drone von Kara Walker, Brick 2025
